Lieber Olaf Gropp, sehr geehrte Frau Ministerin Lieberknecht, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Tum-Galerie-Freunde.

Bedanken für Erscheinen

Besonders bedanke ich mich, daß Frau Ministerin Lieberknecht mit dieser heutigen Inauguration Kultur-Förderung betreibt, und weil sie es in einer Galerie tut, die dem Künstler assistiert, seine Arbeiten auch zu vermarkten, letztlich auch Wirtschaftsförderung.

Dem Ochsen, der da drischt, dem soll man nicht das Maul verbinden:

Ich bin, als der den Künstler aussuchender Galerist, in diesem Sinne der Ochse, der da drischt und bewundere gerne bei Kunstwerken:
 
 

Handwerkliche Perfektion - kein noch so einfallsreicher kommt in diese Galerie, der die von ihm selbst gewählten Ausdrucksmittel nicht vollendet beherrscht.

Außerdem genieße ich gerne:
Ideenreichtum - Also bitte nicht etwas, was man in ähnlicher Form schon mehrfach irgendwo anders sehen konnte

Und darüber hinaus, und dies nun ganz für mich gesprochen und eine ganz persönliche kleine Marotte, die ich mir zuweilen gönne, wenn denn Gelegenheit da ist,

Humor - Aufrüttelndes, nachdenklich Machendes, ja selbst Melancholisches bis  Depressives soll den Platz in der Kunst behalten, aber bitte nicht nur.

Ein  humoriges Augenzwinkern in der Kunst kann und soll Erholung für die Psyche sein.

Jeder, der Radierungen beurteilen kann, wird von Gropps Radierkunst begeistert sein.
Tonwert-Übergänge, minutiöse Zeichenkunst. Dazu variantenreiches handwerkliches Beiwerk, wie hier bei „Lucas Cranach zu Ehren", die Kupferplatte oben abgerundet, bei unserer Vorzugsgrafik „Nicht noch einmal" und ihren drüben ausgestellten Nachbarn die Kupferplatte in ovaler Form, bis hin zu völlig amorpher Form des Druckträgers bei der Radierung „ein altes Thema", ebenfall drüben im alten Klassenraum.

Weiterhin will ich auf die von ihm genutzte Möglichkeit aufmerksam machen, eine Grafik aus zwei, wie hinter mir, oder mehreren Platten wie dort beim „großen Nachdenken" zusammenzustellen.

Und was den Ideenreichtum der Inhalte  angeht, so haben wir hier in drei Räumen die gute Möglichkeit gehabt, ein wenig zu gliedern: In diesem Raum begegnen wir hauptsächlich drei Aussagen: Die am meisten vertretene, melancholische bis anklagende,  über den Verfall von charakterstarker Bausubstanz.

Das kenne ich hier noch von früher aus Bad Godesberg:  kleine billig zu mietende alte - auch vergammelte-  Hinterhaus-Scheunen oder Ställe, notdürftig mit einem Ofen drin zu einer kleinen Werkstatt ausgebaut, für 60 DM Monatsmiete (selbst die Stromrechnung war höher), in denen sich ein junger Mann mit einer gebraucht gekauften Offsetmaschine „Druckerei" nannte und so den ersten Schritt in die Selbständigkeit wagte. Der junge Mann brauchte sich noch nicht via Leasing und Krediten an Geldinstitute zu verkaufen, liefen die Aufträge gut, ging er mit seinem Mädel zum Iteliener essen, kamen wenig Aufträge, gab’s zuhause Butterbrote, dafür aber so gut wie keine Schulden.

Ich kann erahnen, und bei der Melancholie der Blätter erfühlen, daß Olaf Gropp sein eigenes Schicksal dazu bewegte, eine solche Serie an melancholischen Arbeiten mit derart viel Liebe zu gestalten, und Sie können es sicher auch.

Weitaus positiver schon in der Stimmung ist die Antike dort rechts dargestellt und mit verhaltenem Stolz die Arbeiten, die sich sehr naturalistsich mit den Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt Erfurt und der Nachbarstadt Weimar beschäftigen.

Im Lichtflur haben wir dann die geometrischen Arbeiten, zuweilen selbstverliebte Formenspiele., reinstes l’art pour l’art, bis hin zu augenzwinkerndem Humor, wie z.B. beim Blatt Sisyphus macht Pause, wo der runde Stein an dem steilen Hang gehalten wird durch einen Keil, der in Blindprägung esrt auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Und drüben im alten Klassenraum konnte ich die nun endgültig hintersinnig-humorigen Arbeiten unterbringen.

Ihre Freude am Entdecken von Deitails will ich nicht vorwegnehmen, aber zwei Grafiken will ich erwähnen, damit Sie wissen, worauf Sie achten sollten.

Inhaltlich gefällt mir besonders die Radierung „nicht immer auf die Kleinen", hervorragend durch den genialen Einfall, die Bremer Stadtmusikanten herumzudrehen, sodaß der Hahn unten ist und der Esel oben,



und eines der vielen Beispiele für die Möglichkeit, in den Grafiken mit den Augen spazieren zu gehen, wie ich es schon in der Einladung formuliert habe, und die Freude am Entdecken von Details zu erleben, ist, neben dem eben genannten Blatt hängend, die Arbeit


„der Wächter des Baumes".

Dieser Baum ist eher ein Strunk! Gute Augen entdecken links an einem trocknen Ast zwei Blätter. Die putzige junge Eule sitzt in einem „Gehäuse" aus Dachlatten, die beim Nageln gesprungen sind, Nägel sind krumm gekloppt und da, wo die letzte Verbindung der Konstruktion notwendig war, hatten wohl die Nägel nicht gereicht, hier wurde gebunden, mit einem liebvoll verknoteten Strick. - Ein veritables Schmunzel-Blatt!

Oder bei dem Blatt „Zeitkapriolen",



die nackten Gestalten auf dem Fries des antiken Tores,


auf das sich die abgebildete Dame stützt.

Aber, mehr will ich nicht verraten, es ist nicht immer der Teufel, zuweilen ist es auch der  „Herrgott", der im Detail sitzt, und ich wünsche Ihnen viel Freude daran, dergleichen  zu suchen.

So sind Gropps Arbeiten in der Tat „Kleinodien", für die Sie einen Platz ganz nahe am Schreibtisch wählen sollten, und wenn Sie zum Beispiel dort Überweisungsfromulare für Rechnungen ausfüllen müssen, oder ansonsten derart stimmungstötende Aktivitäten entfalten müssen, blicken Sie von Ihrer Arbeit auf, schauen Sie auf ihre Gropp-Radierung, es dürfte ein Kurzurlaub für die Seele werden.

Oder, dicht neben Ihr Bett gehängt, sollte solch ein Gropp-Blatt helfen, mit positiven Gedanken einzuschlafen.

Kurzum, ich bin mir sicher, nicht nur mir, sondern auch Ihnen mit dieer Ausstellung eine Freude gemacht zu haben,

bedanke mich bei Olaf Gropp, daß er bei uns ausstellt,

und auch in seinem Namen bei Frau Ministerin Lieberknecht, und bitte Sie nun, gnädige Frau, die Eröffung der Ausstellung vorzunehmen.