Neuigkeiten von Volodomyr Makarenko



Ein stolzer, erstmaliger Großvater im November 2004

v.links: Taras Makarenko, Viktoria Makarenko, Jeff Rodriguez, der Künstler selbst, Daria Makarenko-Rodriguez, Julien Rodriguez


An Makarenko schätzen wir ja seine umfassende kunsthistorische Bildung, die ihn befähigt, Zitate aus dem Füllhorn der Kunstgeschichte in seine Gemälde einzubauen. In aller Regel sind es Figurationen in Anlehnung an die Renaissance-Maler, die liebevollst in die Jetzt-Zeit herüber-ironisiert werden.

In immer wieder wechselnden, souverän gesetzten Farbigkeiten gestaltet er ganze Erzählungen in seinen Bildern.

Mit der Einbürgerung dieses 1943 geborenen gebürtigen Ukrainers und seiner Frau aus Tallinn in Estland hat die französiche Gesellschaft einen guten Fang gemacht: Selbst äußerst bescheidend lebend, haben sie ihren hochintelligenten Kindern (Daria hatte in einer der letzten Schulklassen das beste Zeugnis ihres Jahrgangs von ganz Paris) eine hervorragende Schulbildung -notgedrungen teils auf Privatschulen- ermöglicht. Daria wollte auch noch Klavier lernen, Taras wollte Tennis spielen, alles wurde, zwar oftmals mit Mühe, aber immerhin ermöglicht.

Wenn Makar selbst seinen "Petit Rouge", auch mehrmals täglich, und seine Mitgliedschaft im Billard-Club hat, ist er zufrieden, mehr beansprucht der sympathische Mann für sich selbst nicht.

Inzwischen ist Tochter Daria in St. Etienne mit Jeff, einem ganz lieben und beruflich erfolgreichen Mann verheiratet, arbeitet als Mikrobiologin in einem Forschungsinstitut und schreibt an ihrer Doktorarbeit.

Und Taras studiert im 4. Semester Medizin in Brüssel mit dem Ziel, sich später auf Sportmedizin zu spezialisieren. In Brüssel studiert man billiger als in Paris...

Noch heute bin ich dem langjährig befreundeten Fernsehredakteur Gerd Ruge dankbar, dass er mich, von nunmehr schon 21 Jahren, auf diesen von ihm schon in Moskau hochgeschätzten Künstler hinwies.

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Ausstellungsröffnung 08.11.1998:


Volodymyr Makarenko ist jetzt 55 Jahre alt und ich genieße den Vorzug, ihn seit 15 Jahren in unserem Programm haben zu dürfen. Seinen beruflichen Werdegang haben Sie stichwortartig auf der Rückseite der Einladung gefunden deshalb will ich Ihnen -gerade weil er jetzt nicht unter uns ist- seine Person und sein Umfeld etwas nahebringen:

Er ist verheiratet mit Viktoria, der Frau, die er damals in Tallin in Estland geheiratet hat, eine gertenschlanken Frau mit klassischen Gesichtszügen. Die Tochter Daria, der er neben den zusätzlichen Ausgaben für ein privates Gymnasium, auf der sie eine exzellente Schülerin war, auch einen guten und erfolgreichen Klavierunterricht finanziert hat, dürfte jetzt so im 2. oder 3. Semester ihres Studiums sein, Taras, der Sohn, der ebenfalls auf einem privaten Gymnasium gut reüssiert, steht nicht weit vorm Abitur und ist, das macht den Papi ganz stolz, Stadtteil-Jugendmeister im Tennis.

Dies alles als Alleinverdiener finanziert zu haben, noch dazu in einem solch unsicheren Beruf, wie dem eines freischschaffenden Künstlers, verdankt er der Umsicht in Gelddingen seiner Frau Viktoria, die er dafür bewundert und die er noch immer herzlich liebt.

Und nicht zuletzt ihrer aller Bescheidenheit, wenn es um private Wünsche geht:

Die Wohnung ist eine kleine Parterrewohnung im Süden von Paris. Hier in Bonn bekäme man fürs gleiche Geld eine dreimal so große Wohnung.

Wenn man aus dem Wohnzimmerfenster steigt, kann man auf eine private kleine Rasenfläche treten, unter welcher ein Teil des Daches der Tiefgarage ist. Aber Makar ist's zufrieden. Manchmal steigt er, mit einem Bild in der einen Hand, und dem Fotoapparat in der anderen, aus dem Fenster und freut sich, daß er, im Gegensatz zu vielen anderen Malerkollegen in Paris, so bequem seine Bilder bei Tageslicht fotografieren kann.

Sein Auto, ein betagter Passat, sieht erbarmungswürdig aus.

Aber er hat ein zweckmäßiges Atelier schräg gegenüber, und, wie praktisch, direkt über seinem Lieblings-Bistro was gut finanzierbar ist, denn der Wirt ist ein Freund seiner Malerei und und re-investiert einen guten Teil der Miete in Makernkos Bilder.

Dieser Wirt wird dann zu den Leuten gehören, die, ein paar Jahrzehnte später, gesuchte Leihgeber für spektakuläre Ausstellungen sein werden

Und solange Makar ein paar Francs in der Tasche hat für ein paar Gläschen Roten in seinem Billard-Club, überläßt er gerne seiner Viktoria den Umgang mit dem Geld von seinen Galeristen aus den USA, aus Marseille oder Genf oder Lyon oder Paris oder -Wachtberg-.

Seit einigen Jahren ist er französischer Staatsbürger, was ihm zwar selbst ziemlich Wurst ist, denn er denkt und fühlt so in europäischen Kulturkategorien, daß er ein Europäer sui generis ist.
Aber es freut ihn für seine Kinder, daß sie als Franzosen, ausgestattet mit gutem Charakter und guter Bildung, das Rüstzeug haben und auf gutem Wege sind, sich einen anerkennenswerten Platz in der französischen Gesellschaft zu schaffen. Nur für die Ausbildung der Kinder hat er bislang jeden überzähligen Franc ausgegeben. Und, wie ich ihn kenne, werden Viktoria und er dabei bleiben.

Doch nun zu seinen Bildern hier und heute:

In der Einladung zu dieser Ausstellung haben wir abgebildet ein Tableau aus den 12 Arbeiten "La naissance du carré noir". wörtlich übersetzt, die Geburt des schwarzen Quadrates. Diese 12 Arbeiten haben wir für Sie nebenan im Alten Klassenraum für Sie ausgestellt.

Wenn Makarenko einen Titel nennt, so kann er das uns gegenüber letztlich nur auf französisch, aber dies ist bereits eine Übertragung aus dem Ukrainischen bzw. Russischen, und wenn wir diesen französischen Titel wieder ins Deutsche übertragen, so gehen natürlich noch mehr die ursprünglichen Wertigkeiten der von ihm gewählten russischen Worte zuweilen verloren. Mit la naissance ist also nicht als Ereignis der Geburt alleine gemeint, sondern mehr ein Zeitraum, also Entstehung oder Entwicklung des schwarzen Quadrates.

Makarenko will ihnen hier nicht seine Kopien alter und junger Meister zeigen, seine Absicht ist es gewesen, für sich selbst und für den Betrachter einen Hinweis zu geben, wo denn nun er zu finden ist und wo er herkommt.

Er ist nicht einer, der mit allem bricht, um etwas Neues zu machen, er ist nicht der Typ für solche Brüche und hat überdies -nach seinen intensiven Studien- für die Leistungen seiner Altvorderen eine große Sympathie und zuweilen einen außerordentlichen Respekt.

So wird er uns niemals schocken mit nicht nachvollziehbarem lauten Klamauk.

Nein, für ihn ist fortschrittliches Neues die intelligente und überlegte Weiterentwicklung des Bisherigen. Wie sagte schon die Kritik über ihn: "Seine Modernität stellt sich nicht gegen das Vergangene"

Ich widerstehe der Verführung, Ihnen Entwicklungen einzeln aufzuzeigen, die Entwicklungen eines einzigen Motivs in der Sichtweise der vergangenen Stile, die Sie innerhalb der Serie der 12 Bilder sehen, von einfachen Formen hin zum Formenreichtum, von Flächigkeit zu Perspektive, von Reichhaltigkeit der Farben zu deren sparsamer Einsetzung, von der stark gegenständlichen Darstellung zu einer, die sich auf die prägnante Form reduziert.

Das würde ein zwar sicher interessanter, aber doch sehr langer Vortrag längs durch die Kunstgeschichte werden, und diese Länge möchte ich Ihnen gerne ersparen.

Außerdem wären ja da noch die vielen, vielen weiteren Künstler, ob namhaft oder namenlos, deren Werk er auch intellektuell verarbeitet hat.

So will ich nur den Hinweis geben, und bitte Sie zu bemerken, daß er, direkt vor dem eigenen, ein Bild von Malevich gefeatured hat, einem Ukrainer wie er.

Sie, liebe Vernissagegäste, sind die ersten, die diese Serie zu sehen bekommen und es wird auch kaum eine andere Galerie geben, die groß genug ist, daß es ihr leicht fiele, diese 12 Arbeiten und solch eine große Anzahl freier Arbeiten von ihm zusammen in einer Ausstellung zu zeigen.

Wenn wir uns nun seine freien Arbeiten anschauen, so werden, auf vielen von ihnen, demjenigen, der sieht, und beim Sehen auch fühlt, kleine Geschichten erzählt:

Sehen Sie dort über der Bank das Bild "Künstler bei der Arbeit":


Das Maler (die Figur des Malers übrigens könnte wirklich auch Malevitsch gemalt haben) der Maler also hat das attraktive Modell, das in der Mitte, vor sich, hat ein Bild davon, eine Sitzende auf der Staffelei, ein weiteres großes, das ganz rechts, im Kopf. Aber was hat er noch alles mehr im Kopf: eine weite einsame Landschaft (einsam mit diesem Modell, ein nachvollziehbarer Gedanke), aber auch seine drei geliebten Billardkugeln (unten im Bild) und angesichts der Situation wohl nicht nur völlig harmlos-integre Gedanken: Sein Schutzengelchen oder besser sein gutes Ich ist mit kleinen Stricken gefesselt, aber liebevoll, mit gebundenen Schleifchen:

Hier blitzt wieder sein Humor, seine Selbstironie auf, das Augenzwinkern, das, wie der kleine Makrenko-Hund in nahezu allen seinen Bildern zu finden ist.

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