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Widerwärtig !
Woher die 25% Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank kommen



Tante Edith an ihrem 80sten im Jahre 2000


Mein Großvater, Oberst Schroeder, hatte zwei Kinder. Meinen Vater, Oberst Dr. Hans-Ulrich Schroeder, und Edith Schroeder, zeitlebens unverheiratet und damit auch kinderlos, leitende Röntgenfachkraft im werksmedizinischen Dienst bei Merck in Darmstadt, wo sie jahrzehntelang, auch nach ihrem aktiven Dienst, lebte.

Als dieser Großvater starb, hinterließ er - im Einvernehmen mit seinem Sohn, meinem Vater, - meiner Tante den größeren Teil seines Vermögens, denn mein Vater war ja im Staatsdienst und bestens versorgt, aber meine Tante alleinstehend.

Bis seinem Tode verwaltete mein Vater sein eigenes Vermögen -und das meiner Tante gleich mit- mit erzkonservativer Strategie, er war halt Beamter: Bundesschatzbriefe, ein paar Investment-Zertifikate, kurzum, das Vermögen meiner Tante betrug etwa 500.000 Mark als mein Vater 1987 starb.

Nun war guter Rat teuer, richtig teuer!
Denn meine Tante begab sich zur Deutschen Bank Darmstadt und bat um deren Beratung.


Nun, bei der Höhe dieses Vermögens kümmerte sich eine Dame in der Abteilung "Private Vermögensberatung" um meine Tante und sicherte ihr gute Beratung zu. Und ich erinnere mich, dass meine Tante von der Freundlichkeit und Füsorglichkeit dieser jungen Dame schwärmte.

Tante Edith lebte äußerst unaufwendig: Kleine Mietwohnung, einmal im Jahr 14 Tage Urlaub, mal am Bodensee, mal in Oberitalien, und das noch mit ihrer Freundin im Doppelzimmer, ihre Rente und die Betriebsrente von Merck reichten dafür völlig aus. Ja, sie legte sogar regelmäßig noch etwas von ihren beiden Renten beiseite.

Ich verfluche meine gute Erziehung: Niemals hätte ich nach dem Tod meines Vaters meiner Tante angeboten, sie in Vermögenssachen zu beraten, es war ja klar, dass meine Schwester und ich sie ja irgendwann einmal beerben würden, und da meine Beratung anzubieten, hätte möglicherweise nach dem Versuch der Sicherung meines Erbes ausgesehen...


Tante Edith starb im Februar 2004 im Alter von 84 (!) Jahren, und es ist sicher nicht ungewöhnlich für eine hochbetagte Dame, dass sie auf ihre alten Tage zwar besonders lieb, aber auch ein bisschen tüttelig wurde und sich über jeden freute, der gut mit ihr sprach.


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Nach ihrem Tode fragte ich auf dem Wege zur Deutschen Bank in Darmstadt in Bad Homburg einen mir sehr freundschaftlich verbundenen langjährigen Kunden, der sich in Wirtschaftsdingen auskennt, auf was ich denn nun bei der Bank zu achten hätte.

"Ganz einfach", - war seine Antwort, - " wir sind im Februar 2004. Im letzten Jahr, in 2003, ist der DAX um 50 % gestiegen. Du schaust Dir den Wert des Portefeuilles am 1.1.03 an. Haben die Leute bei der Deutschen Bank diesen Wert bis zum 31.12.03 um mehr als 50 % vermehrt, klopfst Du ihnen anerkennend auf die Schulter, ist es weniger, runzelst Du die Stirn!"

So ausgerüstet, sprach ich bei der Bank vor und bat um die Performance von 2003.

Ergebnis: 12 % Vermögens-Minderung!!! Nur in diesem einen Jahr!!!

Das konnte doch nicht wahr sein! In einer Zeitspanne, in der der DAX um 50 % zugelegt hat!

Ich ließ mir die Kontenbewegungen geben: Alle nasenlang in diesem Jahr wurden die Papiere umgeschichtet, Bestände verkauft, andere Anlagen gekauft, alles innerhalb konzerneigener Papiere, und jedes Mal waren entsprechend beträchtliche Verkaufs- und Ankaufs-Provisionen abgebucht.

Und dergleichen war auch in der Vorjahren geschehen, Jahr für Jahr!

Das Portefeuille war nur noch knapp 100.000 Euro wert.

Also knapp 200 000 Mark hatte die Deutsche Bank aus den 500 000 Mark im Jahre 1987 gemacht.

Respekt, Respekt!!!

Und als ich dann laut und später schriftlich wurde, wurde ich beschieden, man habe meine Tante immer gefragt, ob man nicht umschichten solle, und sie wäre immer einverstanden gewesen, und man habe Gesprächsnotizen... Es war sicherlich nicht schwer, der lieben, inzwischen etwas tütteligen alten Dame die vor kurzem empfohlenen, gehaltenen Papiere wieder madig zu machen und zu neuen Papieren zu raten.

Auf diese Weise zu Geschäftserfolg zu kommen ist perfide und widerwärtig.

Und als ich einen Anwalt fragte: "Nicht zu machen gegen diese Leute."

Aber die Vermögensberaterin der Bank hatte wohl noch eine ganze Menge anderer alten (und auf ihre alten Tage vielleicht auch ein bisschen weltfremden) Herrschaften in solcher Weise "beraten" und der Bank dadurch erkleckliche Summen verdient, denn sie war die Karriereleiter erheblich emporgeklettert.