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Hans Schröers 1963 in Veere


Prof. Dr. Heijo Klein
Universität Bonn
Einführung in die Ausstellung
Hans Schröers
in der Turm-Galerie-Bonn
am 09.03.1998
(Gesprochenes Wort)




Hans Schröers, Selbstbildnis 1962,
Meine Damen und Herren,

diese Ausstellung gilt einem Künstler, der auf  faszinierende Weise die Vor- und Nachkriegszeit in seiner Stadt vertritt.

Hans Schröers wurde 1903 in der Düsseldorfer Altstadt geboren, und dort hat er auch den größten Teil seines  Lebens verbracht. Sein Vater war Setzer, der Sohn sollte Techniker werden, und so begann er seine Ausbildung zunächst mit einer Lehre bei der Firma Rheinmetall. Aber das befriedigte ihn nicht, es wird berichtet, daß seine Mittagspausen am Rhein verbrachte, mit der linken Hand aus dem Henkelmann essend, mit der rechten Hand zeichnend.

Nun, vielleicht ist das nur eine Legende, aber immerhin, 1924 legte der junge Mann seine Zeichnungen dem Akademieprofessor Spatz vor, und der nahm das junge Talent gleich in seine Klasse auf, was durchaus selten war. Später ging Schröers zu Professor Kiederich und wurde dessen Meisterschüler.

Schröers erlebte mithin jene Jahre der Düsseldorfer Akademie, die mit den Namen der Neuerer verbunden sind und hier im gleichen Jahr, nämlich 1924, dem zum Direktor berufenen Kunsthistoriker Dr. Walter Kaesbach, den Expressionisten Heinrich Nauen und Heinrich Campendonk, denen weitere berühmte Namen wie Otto Dix und Paul Klee folgen sollten.

Doch weder die realistische Schärfe von Dix, noch die Abstraktionen von Klee waren Schröers Sache. Er fühlte sich eher Heinrich Nauen wesensverwandt, einer gegenständlichen doch expressiven Malweise.

Insbesondere war er aber Düsseldorfer und selbstverständlich zum Kreis der Mutter Ey gehörig, die ja ihre Cafestube zu einer Galerie umgewandelt hatte. Schröers ließ sich in deren unmittelbarer Nähe in der Ratinger Straße nieder und dort blieb er auch.

Studienreisen führten ihn nach Belgien, Holland und Norwegen, nach Österreich, Italien und Frankreich und dies hat natürlich auch in seinen Bildern seinen Niederschlag gefunden.

Seine eigentliche Schaffenszeit begann 1930 als freier Künstler. Landschaften, Stilleben, Portraits waren seine Themen, wobei er stets vom visuellen Eindruck ausging, jedoch nur die wesentlichen Linien seines Motivs skizzierte, die ihm dann Erinnerung waren, und die er dann in expressiver Weise, aber ohne Ekstatik, Übersteigerung, sein erlebtes inneres Bild aus der Farbe gestaltete und malte. Er blieb dabei stets dem Gegenstand verpflichtet und hielt das Malerische in einer spezifischen Farbkultur für wesentlich.

Die fertigen sogenannten Künstlerfarben verschmähte er, vielmehr wird berichtet, daß er seine Farben selbst anrieb, um eben dem Wesen der Farbe möglichst nahe zu sein. Doch war ihm dies nicht Selbstzweck, vielmehr bildnerisches Mittel um poetisch empfundenes Visuelles und auch Stimmungsmäßiges wiederzugeben. Und Sie können hier in der Ausstellung sehr schön sehen, wie er sich entwickelt hat.

Sie haben das „kleine Frauenportrait" hier drüben, 1929 entstanden, weich, fast wie ein Pastell ist es gemalt,


"Kleines Frauenportrait", 1929, Öl/Lw., 27 x 35 cm

und Sie haben im Raum nebenan das großformatige Bild „Auf der Brücke", in dem Sie seine Frühzeit sehr schön gewissermaßen als ein Ausläufer des deutschen Expressionismus beobachten können,

"Auf der Brücke", Öl/Tempera auf Lw., 1929 (ca.),
119 x 114 cm
Vergleiche zu Liebermann etwa bieten sich an. Aber wir können auch dort sehen die zurückhaltende Farbigkeit, Ruhe und gleichzeitig Spannung, wie wir es in den Figuren sehen können.

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